Artikel

5 kulturell bedeutende Indiegames der letzten Jahre

Die Zeiten, in denen Spiele von unabhängigen Entwicklern nur von einem kleinen Kreis gespielt wurden, die sich in einschlägigen Entwickler-Foren bewegten, sind lange vorbei. Kleine Teams können ihre Werke selbst auf Konsolen veröffentlichen. Vor Steam und dem Xbox-Store ein unrealistischer Gedanke. Angeregt durch den Tweet von Felix präsentiert Timo 5 kulturell bedeutende Indiegames, die seit 2013 erschienen sind.

Was haltet ihr von seiner Auswahl, fehlt euch ein Spiel? Schreibt es in die Kommentare!

The Stanley Parable

Stanley an seinen Schreibtisch, bevor die Stimme zum ersten Mal ertönt.

Das experimentelle Spiel von Davey Wreden und William Pugh hat mich 2013 in die Haut von Stanley gesteckt, zum Lachen gebracht und mehrmals überrascht. Dabei habe ich mich vor einem Leben wie Stanley es führt immer gefürchtet: Jeden Tag den immer gleichen eintönigen Bürojob ausführen. Doch das Leben von Stanley ändert sich schlagartig, als die Stimme von Synchronsprecher Kevan Brighting zum ersten mal ertönt und ab da an jeden Schritt kommentiert. Der Spieler kann jederzeit auch gegen die Erzählerstimme arbeiten, somit kuriose Momente selbst kreieren und insgesamt 19 verschiedene Enden erleben.

The Stanley Parable wurde von Kritikern mehr als positiv aufgenommen. Sogar einen kurzen Auftritt in der dritten Staffel von House of Cards kann es vorweisen. Dort wird es mit seiner verwirrenden und zerstückelten Erscheinung als Metapher für die dort gerade herrschende Politik benutzt. Innerhalb der Branche hat es zu Diskussionen rund um das Erzählen von Geschichten in interaktiven Medien angeregt. Zu Empfehlen ist auch die Demo-Version des Spiels. Sie ist sich über sich selbst bewusst und erklärt dabei das Spielprinzip, ohne ein herausgeschnittener Teil aus der Vollversion zu sein.

Gone Home

Gone Home erzählt seine Geschichte durch die Umgebung.

Ebenfalls aus dem Jahr 2013 und ein Spiel aus der Ego-Perspektive. Das Spiel des Entwicklers The Fullbright Company war mir ständig im Kopf, als ich die Netflix-Serie 13 Reasons Why gesehen habe. In einer ähnlichen Stimmung legt das Spiel die Geschichte in Kassetten Stück für Stück offen. Auch die Probleme junger Menschen stehen im Fokus.

Gone Home erzählt dabei seine Geschichte durch die Umgebung. VR-Inhalte wenden dasselbe Prinzip erfolgreich an. Doch auch klassische Blockbuster-Games schauen sich das Prinzip ab, obwohl schon Half Life damals ein Paradebeispiel dafür war. Beispielsweise möchte jetzt auch Call of Duty: WWII seine Geschichte in der Spielwelt erzählen, anstatt nur auf bombastische aber spielerisch langweilige Zwischensequenzen zu setzen.

Undertale

Schon einfache Aktionen begleitet das Spiel mit Humor.

Trotz seiner simplen Optik, sorgte das Rollenspiel aus dem Jahre 2015 von Toby Fox für viel Aufmerksamkeit. Entwickelt in meiner geliebten Engine Game Maker wurde es 2015 veröffentlicht. Robin hat bereits versucht, den Reiz von Undertale zu beschreiben. Ganz nachvollziehen kann man es aber wohl erst, wenn man es selbst spielt.

Durch ganz einfache Mittel werden immer wieder vertraute Spielmechaniken umgekehrt, was mich oft überraschte. Wer will, kann es sogar durchspielen, ohne einen Gegner zu töten. Der andere Grund, weshalb es vom YouTuber MatPat dem Papst überreicht wurde: Es steht für die aktuellen Möglichkeiten, wie Spiele wichtige Themen behandeln kann. Da scheint es egal, dass es auf dem grafischen Stand vor rund 20 Jahren ist.

Firewatch

Mit Karte und Kompass muss man sich selbst zurechtfinden.

Und weiter geht’s mit Geschichten aus der Ego-Perspektive. Das erste Spiel von Campo Santo ist 2016 erschienen und behandelt die Beziehung von Henry zu Delilah über Funkgerät. Henry ist aus seinem Alltag geflüchtet und hat einen Job als Feuerwächter an. Die Geschichte wird dabei wie in Gone Home interaktiv in Bruchstücken erzählt.

Schon früh wurde ich auf das Spiel durch seinen einzigartigen Stil aufmerksam. Vor allem das Artwork, das die Hintergrundebenen nach hinten immer heller staffelt, sieht wunderschön aus. Das dachte sich wohl auch Ford und bediente sich bei einer Werbekampagne an diesem Artwork. Neben der grafischen Gestaltung sorgt auch die Geschichte für Aufsehen außerhalb der Videospielbranche. Ein Grund, weshalb das Spiel nun mit der Produktionsfirma Good Universe verfilmt werden soll.

No Man’s Sky

Nicht alle Versprechen konnte das Spiel letztlich halten.

Das Weltraum-Abenteuer von Hello Games ist aus zwei Gründen umstritten auf dieser Liste: Zum einen ist es von PlayStation vertrieben worden und daher an der Grenze eines unabhängigen Projekts. Zum anderen hat es die hohen Erwartungen der meisten Spieler nicht erfüllen können. Der Frust ging so weit, dass die Werbeaufsicht wegen irreführender Werbung ermittelte – ohne resultierender Klage.

Und dennoch lässt sich nicht wegdiskutieren, dass No Man’s Sky über die Grenzen des eigenen Mediums hinausstrahlte. Der einzigartige Code des Spiels ermöglichte 18 Trillionen Planeten und führte wohl bei vielen dazu, mal über das reale Universum nachzudenken. In der aktuellen Version des Spiels ist es nun auch möglich, eigene Basen zu bauen. So sorgt No Man’s Sky noch heute für Artikel in den Medien, wenn beispielsweise ein McDonald’s Restaurant auf einem fernen Planeten entdeckt wird.

Einklappen
Weiterlesen
15

für diesen Artikel danken

Spielgefühl Sonderfolge: Sophia und Marvin haben das Spielgefühl
Diese 3 Spiele der Games/Bavaria Vernissage solltet ihr im Auge behalten

Das sagt Timo dazu:

Interessant, dass viele der Spiele dieser Art als "Walking Simulator" verschrien sind. Geschichte kann dadurch aber oft super erzählt werden. Da gefallen mir Spiele wie Undertale, die durch ihre Mechanik herausstechen
  • Sandra Thaler

    Ich finde es total spannend, wenn Videospiele neue Mechaniken ausprobieren oder sogar ihr eigenes Medium hinterfragen. Undertale und Journey haben meiner Meinung nach das ganz gut getan.

    Verändert hat sich auch, dass mal ernstere Themen behandelt werden, die einem zum Nachdenken bringen… Hier gibt es einige gute Indie Games, die den Krebs, oder Krieg behandeln. Spontan fällt mir Hyper Light Drifter ein, das sich mit der Herz-Krankheit eines der Entwickler des Spiels beschäftigt.

    Oder wenn Entwickler mit dem Grafikstil experimentieren. Die Retro-Pixelgrafik im Neon-Stil ist zwar mittlerweile fast schon Mainstream unter den Indie-Games, trotzdem finde ich sie immer wieder sehr ästhetisch. Sehr geprägt haben mich hier Tearaway (kann man das Indie Game nennen?) oder Lumino City, beides Papierwelten (bloß ist letztere sogar „echt“, also in mühevoller Handarbeit abfotografiert).

    Hach. Es gibt so viel gute Beispiele für Spiele, die die Videospielindustrie herausfordern und prägen… Wenn sie mir einfallen würden 🙂

Redirecting shortly