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Das starke Mädchen von aloft

aloft ist ein 3D-Adventure, das von vier Studenten des Studiengangs Medienwissenschaft und Medienpraxis an der Universität Bayreuth als Abschlussprojekt entwickelt wurde. Die Geschichte behandelt ein junges Mädchen, das mit ihrem Heißluftballon eine entfernte fliegende Insel erreichen muss und auf ihrem Weg verschiedene Gegenstände sammelt und geschickt einsetzt.

Zerstörte Heimat

Ein namenloses Mädchen wacht auf einer fliegenden Insel auf. Die Sonne scheint und der Boden unter ihren Füßen ist mit Gras bedeckt. Trotz der Idylle kann sie nicht an diesem Ort bleiben, denn als sie auf die andere Seite der fliegenden Insel geht, zerbricht ihre Heimat und stürzt in Einzelteilen in die unendliche Tiefe. Mit ihrem Heißluftballon – ein günstiges Fortbewegungsmittel, wenn man auf einer fliegenden Insel zuhause ist – muss sie nun die zehn Kilometer entfernte Insel finden, die ihre neue Heimat werden soll.

„aloft“ (=empor) war ursprünglich nur der Arbeitstitel. Nachdem sich das Team so an den Namen gewöhnt hatte, haben sie ihn einfach behalten.

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Beim Händler können Gegenstände getauscht werden

Um diese Aufgabe zu meistern muss sie die Inseln auf ihrem Weg anfliegen und nach brauchbaren Gegenständen absuchen. Aber auch Nahrung und Wasser sind wichtig und genau wie eine volle Gasflasche elementar für das Weiterkommen. Knifflig wird es vor allem dann, wenn sie auf einen Händler trifft und Gegenstände tauschen kann. Welches Werkzeug ist entbehrlich? Nutzt das Jagdmesser in Zukunft mehr, als die drei erbeuteten Pilze? Nur wenn sie alle Werte im Auge behält und geschickt ihr Inventar verwaltet, kann sie es schaffen, die entfernte Insel zu ihrer neuen Heimat zu machen.

Ein taffes Mädchen

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Konzept-Zeichnung

Teenie-Mädels sind in in Videospielen gerade sehr beliebte Charaktere, da sie angreifbarer sind als so mancher zwei Meter große Titan und daher viel Spielraum für charakterliche Entwicklungen bieten. So reiht sich das namenlose Mädchen aus aloft neben berühmten Charakteren wie Clementine aus The Walking Dead oder Elli aus The Last of Us ein. Anders als ihre Kolleginnen ist sie aber komplett auf sich alleine gestellt und hat keinen starken Mann an ihrer Seite, der sie bei schwierigen Aufgaben unterstützen kann.

Dass weibliche Hauptcharaktere nicht nur bei den Entwicklern und Geschichtenerzählern beliebt sind, zeigt auch eine Umfrage bei PC Games, nach der sich fast 80% der Befragten mehr Videospiele mit weiblichen Protagonisten wünschten. Auch Matthias Dammes, Autor des Artikels, kommt zu dem Fazit: „Ich ziehe einen weiblichen Helden dem nächsten Rambo jederzeit vor“. Heikel wird es nur bei dem Versuch, bestehende Spieleserien auf weibliche Charaktere umzuschreiben. Der Vorschlag von Sebastian Moitzheim bei GIGA, dass Link im nächsten Teil von The Legend of Zelda zur Frau werden sollte, wurde in den Kommentaren meist kritisiert.

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Der kurze Abstecher ist vorbei, das Inventar sortiert, die Gasflasche des Heißluftballons prall gefüllt – das Mädchen steigt in ihren Ballon und macht sich auf, die nächste Insel zu erkunden. Am Horizont kann man die große Insel sehen, welche die neue Heimat werden soll. Obwohl sie ausgegraut ist vom Nebel, scheint sie in greifbarer Nähe. Das Mädchen muss nicht mehr lange durchhalten. Das Team hinter aloft wollte übrigens nur Abwechslung von den ausschließlich männlichen Charakteren ihres letzten Spiels und hatte sich deshalb für sie entschieden. Die Erklärung einer manchmal sensiblen Entscheidung kann oft so einfach sein.

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für diesen Artikel danken

S02E08: Linda Sprenger über Dragon Quest Monsters
Immerso X – Episode 1

Das sagt Timo dazu:

aloft wurde von vier Studenten in nur sechs Monaten entwickelt, dafür mein vollster Respekt! Bin gespannt wo die Teammitglieder hinter aloft bald in der Branche aufschlagen :)