Artikel, Ungeliebt

Festival Zombies in „Holy Shit“

24. November 2015
, , ,

Festivalbesucher sind ein sonderbares Völkchen. Auf die meisten Grundbedürfnisse wie Wlan verzichtend verbringen sie mehrere Tage in einem Zelt, um jeden Tag und jede Nacht zu einer Bühne zu schlurfen, von der aus sich harte Gitarren-Musik auf das Gelände verteilt. Und dann sind da auch noch Zombies und Pater Peter, der sie exorzieren möchte.

Laute Musik dröhnt in den Ohren. Zusammen mit der dunklen und regnerischen Nacht mischen sich die Klänge der aggressiven Gitarre zu einer schwer zu differenzierenden Mischung aus Hass, Dreck und Unwohlsein. Außer man ist den dunklen Klängen verfallen, so wie die regelmäßigen Blackmetal Festival-Besucher. Dann suhlt man sich vor Freude darin, „bangt“ seinen „Head“, oder versucht getrieben von der Fleischeslust die anderen Festivalbesucher zu beißen – so jedenfalls in Holy Shit, dem nicht so ganz Festival-Simulator.

„Die Widersprüche zwischen Kommerz und Kultur, zwischen Gewinn und Revolte, zwischen einem gesitteten Fest und Ausbruch werden zwischen den Festivals deutlich“ – DJ Tommy

Einen Selbstversuch konnte ich bis jetzt nicht wagen, da das Zillertaler Schürzenjäger Konzert, das ich als siebenjähriger Steppke besucht habe, wohl nicht an den Wahnsinn eines Festivals heranreicht – und als Kind war mir das schon viel zu laut. Vielleicht kann ich mich deshalb so gut in Pater Peter hineinversetzen, der plötzlich vor einer Bühne steht und von einigen der Gästen bedroht wird. Wie auf Knopfdruck schießt ein Lichtstrahl aus seinem Kreuz in der Hand, der die untoten Gäste beim Aufprall vernichtet.

So ganz leicht fällt es dabei aber nicht, Zombie von normalem Besucher zu unterscheiden. Was hier an der ruckeligen Optik und den verwaschenen Texturen liegt, kann aber auch ein treffender Kommentar auf die Realität sein. Wirklich verwirrend sind dagegen die Besucher, die halb im Boden stecken. Zur Stimmung trägt das zwar bei, die Metapher ist mir aber nicht ganz ersichtlich. Hat man alle Zombies vernichtet, ist das Festival gesäubert und das Spiel geschafft. Die Welt ist nun eine bessere und die Festival-Besucher können nun die Musik genießen. Auch wenn sie von den Zombies nicht sonderlich gestört schienen.

Im Anschluss ist ein kleines Interview zu lesen, dass ich mit drei der fünf Entwicklerinnen von Holy Shit, Mary, Stefanie und Leonie, führen durfte. Viel Spaß!

Seid ihr selbst auf Festivals eher der Zombie, der, der alle zur Vernunft bringen will oder der im Boden clippende Normalbesucher?
Mary: Mal so mal so. Wenn ich fahren muss, bin ich natürlich vernünftig. Wenn nicht, bin ich der Zombie, der ab und zu auch mal im Boden clippt.
Stefanie: Aus eigener Erfahrung eher zweiteres lmao.
Leonie: Zombie? wtf. Ich bin eher der chillige Festivalbesucher.

holyshit3

Was für ein Gefühl löst Blackmetal in euch aus?
Mary: Kommt auf die Stimmung davor an. Wenn ich davor schlecht gelaunt war, bin ich umso aggressiver, wenn ich gut gelaunt war, bin ich danach meistens energiegeladener.
Stefanie: Auf jeden Fall ein besseres als House und Trash-Chart Musik.
Leonie: Blackmetal hör ich nicht und mag ich nicht, weil ichs kacke find. Aber andere Metal-Richtungen find ich geil und machen mich glücklich oder angepisst, je nachdem wie die Stimmung ist.

Was war das prägende Ereignis in euren Leben, das eure Abneigung gegen Kreuze begünstigt hat?
Mary: Ne Abneigung gegen Kreuze hab ich prinzipiell eigentlich nicht. Ich bin aber seit meinerJugend nicht gläubig und hab von 14 bis 16 meine Gothic Phase gehabt, in der ich einen auf Anti-Christentum gemacht hab. Wir wollten im Spiel ebenso viele Metal-Klischees wie möglich einbauen, deswegen findet man überall satanische und/oder blasphemische Symbole.
Stefanie: dafuq bruh.
Leonie: Abneigung? Ich bin kein Christ und erst recht nicht gläubig, aber deswegen hab ich kein Problem mit Kreuzen.

Könnt ihr mir ein paar Worte zu Holy Shit 2 sagen? Was plant ihr für die Fortsetzung, more of the same oder radikale Neuausrichtung?
Mary: Holy Shit 2 wird es voraussichtlich erst mal nicht geben, obwohl wir mit dem Gedanken gespielt haben, das Projekt weiter zu entwickeln und es als unser Abschlussprojekt bewerten zu lassen. Dieses Vorhaben wurde dann aber gegen Ende des Projekts abgelehnt, auf Grund des hohen Aufwands und Zeitdrucks.
Stefanie: Holy Shit 2 is mir neu.
Leonie: Äh wat? Da kommt garantiert nichts nach.

Einklappen
Weiterlesen
15

für diesen Artikel danken

Justin Bieber töten in "Crazy Music Time Traveling"
SG0 – Vorstellungscast

Jetzt bist du dran!

Schreib uns doch, was du "Festival Zombies in „Holy Shit“" zu sagen hast.