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Hype: The Time Quest und die Nostalgie

8. Januar 2016
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Die Helden unserer Kindheit sind heute noch für viele von Bedeutung. Ob Pokémon, die Gummibärenbande oder Zelda, sie erinnern uns an eine schöne, wenn nicht sogar die schönste, Zeit unseres Lebens. Ist das einfach nur Nostalgie oder sind diese Medienprodukte auch heute noch gut? Ich versuche mich an einem Spiel, das ich als Kind geliebt habe. Hype: The Time Quest.

Meine Erinnerung an Hype: The Time Quest

Obwohl ich bis vor ungefähr 2 Jahren den Unterschied zwischen Link und Zelda nicht kannte habe auch ich das eine oder andere Spiel, an das ich mich gerne erinnere. Eines davon ist Hype: The Time Quest. Ich bekam es von einem Freund geliehen, wie man es damals vor Steam Familysharing noch machte und tauchte ein in die Abenteuer eines Playmobilritters. Ohne Kenntnisse im Bereich der Medienanalyse oder ähnlichem spielte ich was der Familien-PC hergab und meine Eltern erlaubten. Es hat Spaß gemacht, jedenfalls soweit ich mich erinnern kann.

Der junge Ritter Hype wird vom bösen schwarzen Ritter aus dem Zeitalter Taskans des IV. in das Taskans des I. teleportiert und versteinert. Dort wird er vom ebenfalls jungen Zauberer Gogoud befreit und bei seinem Abenteuer unterstützt. Als Hype versucht man, in die eigene Zeit zurückzukehren, um den schwarzen Ritter zu besiegen und die Verlobte zu retten.

Einige Rätsel waren gar nicht so einfach und bei den Wildschweinen hatte ich einige Probleme. Ich weiß auch noch, dass es unterschiedliche Zeitebenen, sowie mehrere Arten von Armbrustpfeilen und Attacken mit dem Zauberschwert gab. Ich musste einen großen Gegner, der in einer Arena aus runden Holzscheiben zu finden war, besiegen, indem ich durch wechseln der Zielscheiben auswich. Es sind keine klaren Erinnerungen, sondern eher Gefühle und kurz aufblitzende Bildfetzen des Spiels, die in meinem Kopf auftauchen, wenn ich versuche mich zu erinnern. Jedoch sind diese durchweg positiv und wärmen mein kleines Spielerherz.

Der junge Taskan der IV.
Treffen mit dem jungen Taskan dem IV.

Die Gameswelt schrieb 2001 „Es handelt sich um ein Abenteuer-Spiel für die deutlich unter 15-Jährigen, die noch Freude daran haben, ihrer Phantasie mit kleinen Playmobil-Figuren freien Lauf zu lassen.“  Damals war ich vielleicht 12 oder 13 Jahre alt. Heute zähle ich mit Sicherheit nicht mehr zur Zielgruppe sondern bin eher bei den (nicht mehr deutlich) unter 25-Jährigen zufinden. Kann mir ein Spiel, das eigentlich für Kinder konzipiert wurde, heute noch Spaß machen? Oder bin ich jetzt zu „erwachsen“ um mit Playmobil zu spielen und habe zu viel vom Gamergate gehört, um ein Spiel zu mögen, bei dem ich nichtmal eine weibliche Hauptfigur spielen kann, sondern auch noch die Prinzessin aus den Händen des bösen schwarzen Ritters retten muss.

Den ersten Teil des Textes habe ich geschrieben, bevor ich mich erneut auf die Reise mit Hype begab. Ich bin gespannt, was mich erwartet und ob ich die Prinzessin retten und den schwarzen Ritter besiegen werde. Ich weiß nämlich nicht mehr, wie das Spiel ausgeht auch wenn ich mir kaum vorstellen kann, dass es schlecht endet, da es ja ein „Kinderspiel“ ist.

Nostalgie

Ich hatte erst neulich spontan Lust bekommen, im elterlichen Garten mal wieder ein Lagerfeuer zu machen. Wie früher eben, mit selbstgemachtem Stockbrot, vielleicht ein bisschen Schnitzen und zündeln. Die Erinnerungen daran sind auch leicht verklärt und trotzdem habe ich dabei ein angenehmes Gefühl. Ich denke nicht daran, dass ich mir dabei mal den Finger verbrannt habe oder ähnliches, sondern, dass ich Spaß hatte mit Freunden und in jugendlicher Unbeschwertheit den Teig bis zur goldbraunen Vollendung röstete. Natürlich war es nicht tatsächlich so, aber in dieser Version fühlt es sich viel besser an. Das ist also diese Nostalgie, die uns die Vergangenheit oft anders sehen lässt, als sie war.

Nostalgie bezeichnet eine sehnsuchtsvolle Hinwendung zu vergangenen Gegenständen oder Praktiken.

Verschiedene Zeiten spielen sowohl im Spiel Hype: The Time Quest selbst als auch in diesem Artikel eine Rolle. Hype begibt sich in unterschiedliche Äras und seine Geschichte wird dabei zum Teil neu geschrieben, während ich zwar die gleiche Geschichte gespielt habe und nun wieder spiele aber mich an das erste Mal nur noch begrenzt erinnern kann und eben durch die Brille der Nostalgie.

Meine Spielerfahrung heute

Ohne die nostalgischen Gefühle hätte ich Hype wahrscheinlich nur kurz angespielt und dann wieder weggelegt. Es gab einige Dinge, die mir gefallen haben, wie die Vertonung der Charaktere. Der Sogfaktor aber war viel geringer als damals.

Ich habe teilweise nur weitergespielt, weil ich mir das als Ziel gesetzt hatte. Auch wenn die meisten Gegener nicht sehr schwer zu besiegen sind, sobald man das Muster erkannt hat, gab es Situationen, die ich zehn Mal durchgespielt habe, weil ich keine Tränke dabei und nur noch sehr wenig Leben hatte. Ich hätte einen früheren Spielstand laden können, wollte aber nicht alles bis zu dem Zeitpunkt nochmal machen und war mir sicher auch mit wenig Leben den Boss besiegen zu können. Es lag vielleicht auch an der Linearität der Missionen.

Die Mechanik der Zeitreise finde ich an sich gut. Es macht Spaß, in die nächste Ära zu reisen und zu sehen, was sich alles an den eigentlich bekannten Orten verändert hat. Es ist auch sinnvoll, um billiger im Laden oder beim Schmied einzukaufen. Jedoch wird die Mechanik ansonsten nur bei einigen Missionen verwendet.

Flucht aus 4.Ära
Flucht aus der vierten Ära.

Die Musik ist eigentlich ganz schön, aber zum Beispiel in der Burg des Zauberers (der mich als Freund unterstützt und zu Beginn befreit hat) beginnt sie schon nach ungefähr einer Minute von vorne und fängt dann schnell an zu nerven. Auch wenn ich es nicht gespielt habe sind einige Elemente offensichtlich von Zelda übernommen worden, wie der Kampf gegen das böse Ich um den Juwel der Tugend zu bekommen und damit wieder einen Schritt weiter in die Zukunft gehen zu können. Ab einem bestimmten Punkt wollte ich nur noch mit dem Spiel fertig werden. Es waren zum Teil auch Spielmechaniken, die mich gestört haben, oder die ich vermisst habe, wie zum Beispiel, dass ich einen Schild habe aber nicht blocken kann.

Es scheint mir wie bei vielen nostalgiebehafteten Dingen zu sein, dass es nicht nur auf das Spiel oder den Film usw. an sich ankommt, sondern eben auch auf die ganzen Erinnerungen und Erlebnisse, die man damit verbindet. Deshalb nehme ich auch gerne ein im Vergleich zu modernen Spielen, unterentwickeltes Gameplay in Kauf. Trotzdem war in diesem Fall die Erinnerung selbst besser als das Erlebnis, dass ich während des Spielens hatte.

Golddrachen bewachen die Schatzkammer.
Golddrachen bewachen die Schatzkammer.

Ich habe nach ungefähr zwei Dritteln des Spiels aufgehört und mir den Rest als Let’s Play angeschaut, weil es mir keinen Spaß mehr gemacht hat. Ich wollte aber wenigstens noch das Ende der Story sehen. Dabei habe ich gemerkt, dass ich viele schöne Dinge verpasst hätte, hätte ich einfach so aufgehört. Das Bild von Hype vor dem schiefen Turm von Pisa, das über einem Bett mit Raymanbettwäsche hängt. Das coole Blitzschwert, das ich im vierten Zeitalter nach dem Treffen mit einem Gott bekomme und nicht zuletzt den Tod eines guten Freundes.

An viele Passagen konnte ich mich gar nicht mehr erinnern und habe teilweise sogar auf Onlinelösungen zurückgegriffen, weil ich den Weg zur nächsten Mission nicht gefunden habe. Ich werde Hype mit seinen Fehlern aber auch mit seinen schönen Momenten in Erinnerung behalten. Wenn ich in die nächste Zeitebene reise und nicht sicher bin, ob mein Freund Gogoud noch am Leben sein wird, ich ankomme und er noch da ist, wenn auch manchmal dann schon etwas senil, ist das eine Freude. Falls mich damals etwas an dem Spiel gestört hat, dann habe ich das vergessen und eher solche Momente in Erinnerung behalten. Ich bin gespannt, wie es in 10 Jahren sein wird, wenn ich aktuelle Spiele erneut spiele. Werde ich mich langweilen, weil ich nur noch Virtual Reality Spiele in 3D, mit Surround Sound und Gedankeneingabe kenne? Oder werde ich in Erinnerungen an das Studium und die Mitstudenten schwelgen? Ich melde mich wieder, sobald ich es weiß.

Sieg über den bösen Hype zur Erlangung des Juwels der Tugend.
Sieg über den bösen Hype zur Erlangung des Juwels der Tugend.
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für diesen Artikel danken

Podcast S01E06: Tanya über World of Warcraft
Metroid Prime: die Magie der Zukunft

Das sagt Matze dazu:

"Arbeit ist vollbracht." Gibt es Zitate wie dieses, welche euch an alte Zeiten erinnern oder Spiele, die ihr immer wieder herauskramt und durchspielt, weil sie immer noch gut sind? Was lässt euch nostalgisch werden?
  • Julian B.

    Toller Artikel! Ich denke auch, dass jeder der früher Hype gespielt hat es nur noch heute aus nostalgischen Gründen spielen wird und weniger wegen der Spielmechaniken.

  • Timo Radzik

    Wenn jemand „Arbeit“ sagt, füge ich im Kopf immer noch ein zweites „Arbeit“ hinzu. So wie es die Orks aus Warcraft 3 sagen. Genau wie „Muss was getan werden?“. Solche Sätze haben sich bei mir ins Hirn gebrannt. Und letztes Jahr haben wir WC3 ja sogar auf einer kleinen Lan im iLab gespielt 🙂

  • Mario Hamborg

    Wenn ich mich stundenlang mit einer Aufgabe für die FH rumärgere, und es dann klick macht ertönt immer ein leises „Recording to logbook.“

  • Ein Spiel was ich erst vor kurzem wieder herausgekramt habe war „Hobbit: a Prelude to the Lord of the Rings“. Das hat sich Spiel-mechanisch und Grafisch erstaunlich gut gehalten und lässt sich auch heute noch echt gut spielen 😉

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