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Puns and Paper – the struggle of being a new GM

25. Juli 2017

Die Videospiele und ich.

Videospiele faszinieren mich. Haben sie schon immer. Ob es Pokémon und Mario Bros auf dem GBA waren, oder MMO’s wie SWTOR. Vielleicht waren es auch nie die Spiele an sich, sondern die Geschichten in ihnen und wie ich als Spieler ein Teil davon sein konnte.

Ich persönlich hatte lange Zeit nur Handhelds und eine Wii, erst viel später habe ich die Möglichkeiten von PCs und anderen Konsolen entdeckt, nicht zuletzt weil die Preise dieser Geräte keinen guten Eindruck auf meine Eltern machten.
Dem entsprechend habe ich, außer im Couch Koop, nie wirklich mit anderen Menschen zusammen gespielt. Wenige meiner Freunde teilten die Begeisterung für andere Welten und wenn, dann war es FIFA oder COD.

Wie ich Pen and Paper entdeckte.

Vor knapp anderthalb Jahren habe ich dann mein Studium begonnen, weit weg von meiner vertrauten Umgebung. Hier habe ich Menschen getroffen, die viele meiner Ansichten teilen und weitaus mehr Erfahrung mit Spielen haben; aber nicht nur meine Kommilitonen, auch unsere Dozenten sind von Spielen fasziniert.

Alle zwei Wochen organisieren die HiWis (Hilfswissenschaftler) und Dozenten Spieleabende an unsere Uni. Einer dieser Abende lief unter dem Thema Pen and Paper und einer meiner Freunde wollte ein DSA-Abenteuer (Das schwarze Auge) meistern. Pen und Paper kannte ich davor nur aus Serien, dort wurde auf Dungeons and Dragons referenziert und das Ganze war in meiner Wahrnehmung eher negativ konnotiert; sowas machen nur richtige Nerds!

Aber naja, an dieser Fakultät sind Nerds etwas ganz normales, wieso sollte ich dem Ganzen nicht eine Chance geben?
Ich habe mir also mit dem GM zusammen meinen ersten Pen and Paper Charakter gemacht. Er war mehr als weit von einem gut durchdachten Spielercharakter entfernt und hatte den dümmsten Namen den man sich vorstellen konnte.
Der Abend kam, die Gruppe setzte sich an den Tisch, jeder bekam die jeweiligen Bögen und es ging los. Es war wundervoll!

Wie ich zum GMen kam.

Damals schienen mir Pen and Paper Systeme als fast perfekte Art zu spielen. Es gab sehr viele Situationen, an denen wir alle in Gelächter ausbrachen und andere, in denen alle angestrengt und konzentriert der Geschichte folgten.

So jedenfalls hat meine Obsession mit Pen and Paper angefangen. Heute höre ich aktiv drei Acutal Play Podcasts (Podcasts, in denen Pen and Paper gespielt und die Audiospur aufgenommen wird), bin fast täglich auf dem RPG Subreddit unterwegs, besitze mehrere Systeme und kenne noch viel mehr.

Ich möchte immer noch Teil der Geschichten sein, aber ich habe leider schnell gemerkt, dass es nicht genügend Möglichkeiten für mich gibt zu spielen. Man kann nicht einfach den PC hochfahren und ein Pen and Paper spielen, als wäre es Skyrim.

Was also tun? Für mich ist die Antwort auf diese Frage: die Geschichten selber schreiben. Immerhin studiere ich Game Design und habe Kurse in Narration. Was sollte also so schwer daran sein, selbst eine Gruppe zu starten und sie zu meistern?

Die Probleme eines GM’s

Sagen wir es so. Die Geschichte ist das kleinste Problem, wenn man eine Gruppe von Spielern leiten möchte. Alles fängt mit der Organisation an. Einen Termin auszumachen ist nahezu unmöglich, da entweder die Uni dazwischen funkt, oder ein paar Mitglieder der Gruppe es einfach nicht für nötig erachten sich dazu zu äußern.

Das aber, für mich, größte Problem ist, dass ich möchte, das meine Spieler mit dem Gefühl vom Tisch aufstehen, etwas erlebt zu haben. Das sie Spaß hatten, sich angesprochen und gefordert fühlten. Jedes Abenteuer soll ein unvergessliches Erlebnis sein, auf das man mit seinen Freunden zurückblicken kann, wie auf einen Ausflug, oder ein Abend in einem Restaurant.

Atmosphäre

Für mich geschieht das alles durch Kommunikation. Ich als GM muss eine Welt erschaffen, in die sich die Spieler hinein versetzen können. Durch Beschreibungen, NPCs und natürlich die Geschichte. Und hier komme ich zu meinem „Struggle“. Auch wenn ich all das versuche umzusetzen, kann ich nicht davon ausgehen, dass meine Spieler darauf eingehen. Das Erlebnis entsteht durch das Zusammenspiel zwischen dem GM und den Spielern. Das Stichwort hier ist Roleplay, bzw. eine damit verbundene Ernsthaftigkeit dem Spiel gegenüber.

Im Gegensatz zu RPGs auf dem Computer, gibt es bei Pen and Paper, kein abgeschlossenes System hinter dem sich der Spieler verstecken kann. Es gibt Regelwerke, aber die letzte Instanz, ist der GM.

Roleplay

Vielen Spielern fällt es schwer sich in ihre Rollen hinein zu denken. Wirklich als Charakter zu spielen und nicht als die Person, die man wirklich ist. Oft können die Spieler nicht zwischen ihrem Wissen und dem des Charakters unterscheiden, oder sie versuchen es auszunutzen. Dazu kommt, dass man sich nicht vor den anderen Spielern, durch „schlechtes“ Roleplay blamieren will. Vor allem wenn die Geschichte dramatischer wird und Ernsthaftigkeit von den Charakteren erwartet, sei es in Form von Dialog oder Handlungen, retten sich Spieler lieber in Komik, als die Chance für einen wirklich epischen Moment zu ergreifen. Das kann sehr lustig sein, aber auf die gesamte Situation zerstören. Wer will schon hören wie der Held der Geschichte, für das Zusammenbringen der Truppen, ein schlechtes Stand-up Comedy Programm vorführt, anstatt eine emotionale Rede zu halten.

Was viele Spieler dabei vergessen ist, dass vor ihnen auch eine Person sitzt. Der GM hat ein Abenteuer für die Gruppe vorbereitet und muss nicht einen selbst erstellten Charakter verkörpern, sondern alle, die der Gruppe jemals begegnen werden. Der GM muss sich bloßstellen und Initiative zeigen, auf das die Spieler mit einsteigen.

Improvisation

Des Weiteren muss der GM die Geschichte anpassen und variieren, je nachdem was die Gruppe tut und darf dabei nicht den Überblick verlieren, oder die Immersion brechen.
Für mich ist das sehr schwer, aber wenn es den Spielern am Ende gefällt, war es die ganze Blamage wert.
Viele meiner wichtigeren NPC’s waren gar nicht als diese geplant. Die Spieler entwickelten ein, für mich unverständliches, Interesse in eigentlich unwichtige Figuren. Natürlich hätte ich es einfach dabei belassen können, aber warum sollte ich?
Einer meiner Spieler wurde einmal in einem Hafen von einem NPC angerempelt, das hat ihn das so überrascht, dass er sich auf die Figur fixiert hat. In einem späteren Abenteuer ist herausgekommen, dass das Mistrauen des Spielers gerechtfertigt war. Die Genugtuung auf seinem Gesicht war es wert, den NPC zu verändern, auch wenn es mich im ersten Moment überfordert hatte. Belohnungen sind etwas Tolles. Man sollte die Spieler nicht damit überhäufen, aber es fördert den Ehrgeiz. Wenn die Spieler während der Runde mit einer besseren Lösung für das Problem ankommen, dann ist es durchaus eine valide Option diese zu übernehmen. Nicht nur macht es den Konflikt dramaturgisch besser, die Spieler haben auch das Gefühl eigenständig handeln zu können.

Es ist schwierig ein guter GM zu sein und ich habe bisher niemanden gefunden, der mir sagen konnte wie man dazu wird, aber Übung macht den – besseren – Meister. Also werde ich weitermachen. Figuren mit dummen Akzenten verkörpern, mich darüber ärgern, dass meine Spieler nicht das machen, was ich vorgesehen hatte und sie dazu drängen mehr aus sich hinaus zu kommen. Denn ich weiß wie viel Spaß eine wirklich gute Pen and Paper Runde den Spielern machen kann.

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  • Sandra Thaler

    … in Big Bang Theory sieht das ja immer so einfach aus,
    Spielleiter zu sein! Danke für den interessanten Einblick in die „andere“ Seite.

    Leider habe ich noch nie ein Pen and Paper Spiel gespielt,
    auch wenn es mich sehr reizen würde. Für mich war es schon immer schwer, überhaupt Freunde zu finden, mit denen ich gemeinsam Videospiele spielen kann. Für die noch „nerdigere“ Stufe finde ich nicht genügend Begeisterte, geschweige denn ein „Meetup“. 🙁

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