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Silent Hill 2: Die Angst vor der Angst

14. Dezember 2015
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Schon seit ich ein kleiner Junge war, übte das „Unbekannte“ in Form von Horrorfilmen eine große Anziehungskraft auf mich aus. Ich erinnere mich noch lebhaft daran, dass mir meine Mutter immer wieder aufs Neue einschärfte, um Himmelswillen die Finger von der Kassette (VHS für alle jüngeren Semester unter euch) Jurassic Park zu lassen. Aber wie das halt mit einem Verbot so ist, übte der Film eine immer größer werdende Faszination auf mich aus. Als dann der Tag kam, an dem weder Papa noch Mama oder irgendein anderes erziehungsberechtigtes Familienmitglied zugegen war, schnappte ich mir den Streifen und schob ihn in den VHS-Rekorder.

Die Angst vor der Angst

Und, was soll ich sagen. Viel weiter, als die ersten Szenen mit dem Raptoren im Käfig und dem damit verbunden unfreiwilligen Tod eines Wärters, kam ich nicht. Viel zu sehr hatte mich die Furcht vor dem Unbekannten in Beschlag genommen. Ein anderes Mal erging es mir so mit dem ersten Resident Evil. Auf dem Schulhof wurden heiße Diskussionen darüber geführt, wie brutal und gruselig das Spiel doch sei, dass sich keiner so richtig traute, das Spiel anzufassen, geschweige denn zu „spielen“. Klein Florian aber, der coolste Typ unter den Losern (damals gab es den Begriff Nerd noch nicht), schnappte sich die Disc und machte sich daran, den Zombies das Fürchten zu lehren. Oder es zumindest zu versuchen. Doch natürlich kam es, wie es kommen musste und nach nicht einmal fünf Minuten im Spiel und einem der wohl berühmtesten Sätze in einem Videospiel „I hope it is not Chris‘ blood!“ lag „Draufgänger-Flo“ zwei Räume weiter bibbernd unter der Decke. Mit bis zum Halse pochendem Herzen, versteht sich.

 Klein Florian aber, der coolste Typ unter den Losern (damals gab es den Begriff Nerd noch nicht) schnappte sich die Disc und machte sich daran, den Zombies das Fürchten zu lehren.

Seit damals sind viele, viele Jahre ins Land gezogen. Die Furcht vor der Dunkelheit oder gar einem Horrospiel habe ich unlängst abgelegt. Überhaupt zählen Horror-Games und -Filme heutzutage zu meinen liebsten Genres. Von Dead Space über Outlast, keines dieser Spiele hat es geschafft, mich bis in meine Träume zu verfolgen. Freddy Krueger und Jason Voorhees sind meine besten Freunde und mit Jigsaw geht’s jeden Sonntag zum Bowling.

Das beste Spiel aller Zeiten

sh2ohnebgVor einigen Jahren stolperte ich dann über ein Spiel, das sich bis heute in meinem Kopf als unangefochtene Nummer 1 festzeckte. Und, wie könnte es auch anders sein, handelt es sich hierbei um ein Horror-Spiel. Doch im Gegensatz zur üblichen Handhabe der meisten Genre-Vertreter, ist dieses Spiel nicht von vorne bis hinten mit sogenannten „Jumpscares“ durchzogen. Die Rede ist von Silent Hill 2.

Wer sich ein wenig mit der Entwicklung des Silent-Hill-Franchises auseinandergesetzt hat, der weiß, dass Konami den Serienerstling als direkte Antwort auf Capcoms Resident Evil konzipierte. Abgesehen von einigen Kamerafahrten und -einstellungen, besitzt Silent Hill 1 viele Anleihen, die auch in Resident Evil 1 & 2 zu finden sind. So ist der Protagonist ebenfalls auf der Suche nach einer vermissten Person, sieht sich mit allerhand Scheusalen konfrontiert und muss unterwegs bizarre Rätsel lösen.

Grundsätzlich ändert sich das auch mit Silent Hill 2 nicht, doch unterscheidet sich die Art der Empfindung in Bezug auf den Horror deutlich. Aufgrund des im Spiels verwendeten Radios (das bereits im Vorgänger zum Einsatz kam) wird der Spieler bereits frühzeitig vor herannahenden Monstern gewarnt. Aus diesem Grund ist es viel mehr die Stimmung, die mich in die Geschehnisse um den tragischen Helden James Sunderland eintauchen ließ.

Dieser kommt nach Silent Hill, um nach seiner verstorbenen Frau zu suchen. Wie aus dem Nichts hatte er von dieser einen Brief erhalten. Trotz anhaltender Bedenken und der Frage nach der Echtheit des Schriftstücks, macht er sich dennoch auf den Weg nach Silent Hill. Zusammen mit Mary wollte er dem kleinen Städtchen einen Besuch abstatten, jedoch schafften sie es nicht mehr vor ihrem Tod. Verstört, verwirrt aber auch mit einem Funken Hoffnung im Herzen, macht sich James dennoch auf die Suche nach dem Urheber des Briefs und hofft, die Antworten darauf in Silent Hill zu finden.

Horror – Psycho – Silent Hill

Im Gegensatz zu früher hat sich die Stadt enorm verändert. Nichts ist mehr so, wie James es in Erinnerung hatte. Häuser und Straßen wirken verlassen, zahlreiche Läden wurden mit Brettern verbarrikadiert. Hinzu kommen kryptische Nachrichten, die in den wenigen zugänglichen Gebäuden James vor Rätsel stellen und albtraumhafte Wesen, die durch die Straßen wandeln. Gerade aufgrund der düsteren und kalt wirkenden Präsentation (der Protagonist ist stets von Nebel umgeben), den kryptischen Nachrichten, abartigen Monstern samt Pyramid Head, vermittelt mir Silent Hill 2 ein stetiges Gefühl der Bedrückung und ja, der Angst.

Eben jene Bedrücktheit oder das Gefühl der Beklemmung hebt Silent Hill 2 auf eine für mich bis heute unerreichte Ebene. Ich sehe mich grundsätzlich mit zahlreichen Aspekten typischer Horror-Spiele konfrontiert, muss aber aufgrund der Stimmung immer wieder innehalten. Zu viele Dinge, die ich erlebe, wirken in ihrem Gesamten immer stärker auf meine Psyche ein. Ich fühle mich mit der Zeit immer unwohler, möchte James am liebsten auf dem schnellsten Wege durch die verwinkelten Gassen Silent Hills steuern. Doch immer wieder stoße ich auf unerwarteten Widerstand, sei es durch Monster oder gar andere Menschen. Nichts ist wie es scheint …

Gerade aus diesen Gründen ist Silent Hill 2 mehr ein Psycho-Thriller, als ein reinrassiges Horrorspiel. Doch so oder so, ist und bleibt es eines der besten und wichtigsten Spiele aller Zeiten. Zumindest für mich.

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  • Zurecht ein Klassiker, der bis heute zu den Aushängeschildern des Genres gehört. Schade, dass Konami inzwischen nur noch mit negativen Meldungen auf sich aufmerksam macht, statt seine vielen Marken würdig fortzusetzen.

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